Nicht alles ist nur das Wetter – Nebenwirkungen erkennen | Sicht Weise von und mit Anette Pelzer

Shownotes

Ein neues Medikament ist schnell verschrieben. Dazu gibt es eine Packung, eine Dosierung und natürlich den berühmten Beipackzettel, dessen Schriftgröße gelegentlich schon die erste Herausforderung darstellt.

Aber eine Frage wird erstaunlich selten gestellt:

Was kann sich eigentlich verändern, wenn ich dieses Medikament nehme?

In dieser Folge von „Sicht Weise – Von und mit Anette Pelzer“ geht es nicht darum, Medikamente grundsätzlich infrage zu stellen oder hinter jeder Veränderung sofort eine Nebenwirkung zu vermuten. Es geht um etwas viel Einfacheres: aufmerksam zu bleiben.

Wann hat der Schwindel angefangen? Warum ist jemand plötzlich ungewöhnlich müde? Woher kommt die Veränderung der Stimmung? Hat sich der Appetit verändert? Und was war eigentlich kurz davor?

Gerade Pflegekräfte erleben Menschen oft sehr nah und über längere Zeiträume. Sie bemerken Veränderungen, die während eines kurzen Arztkontaktes möglicherweise gar nicht sichtbar werden. Angehörige erleben wiederum den Alltag. Und der Patient selbst kennt seinen Körper aus einer Perspektive, die niemand ersetzen kann.

Diese unterschiedlichen Blickwinkel sollten keine Konkurrenz sein.

Sie gehören zusammen.

Anette spricht darüber, warum eine medizinische Behandlung nicht nur begonnen, sondern auch begleitet werden sollte. Hilft sie? Wie geht es dem Menschen damit? Ist etwas Neues hinzugekommen? Sollte die Behandlung noch einmal überprüft werden?

Und sie stellt eine Frage, die weit über Medikamente hinausgeht:

Warum fällt es uns beim Auto so leicht, auf jedes neue Geräusch zu achten, während wir Veränderungen unseres eigenen Körpers manchmal erstaunlich lange wegdiskutieren?

Eine Folge über Verantwortung, Wahrnehmung und den Mut, Fragen zu stellen.

Denn eine Frage ist keine Ablehnung.

Manchmal ist sie einfach der Anfang davon, etwas besser zu verstehen.

🎙️ Sicht Weise – Von und mit Anette Pelzer

Transkript anzeigen

00:00:00: Nebenwirkungen in der Therapie.

00:00:03: Hallo und herzlich willkommen bei Sichtweise von und mit Annette Pelzer!

00:00:08: Stell dir einmal folgende Situation vor, du sitzt beim Arzt und bekommst ein neues Medikament verschrieben.

00:00:14: Hält das Rezept in der Hand und gehst nach Hause?

00:00:18: In der Apotheke bekommste eine Packung dazu einen Beipackzickel.

00:00:23: Der ungefähr so aussieht als hätte jemand versucht die gesamte medizinische Weltgeschichte auf ein Stück Papier zu drücken.

00:00:31: Die Schrift ist so klein, dass die erste Nebenwirkung möglicherweise schon darin besteht.

00:00:37: Dass man eine Lesebrille braucht und irgendwo zwischen Einnahme, Dosierung und diesem beeindruckenden Stück Papier steht eine Frage im Raum, die erstaunlich selten gestellt wird Was kann eigentlich noch passieren wenn ich dieses Medikament nehme?

00:00:56: Warum fragen wir so wenig nach Nebenwirkung einer medizinischen Behandlung?

00:01:01: Dabei ist diese Frage weder unhöflich noch ein Angriff auf Ärzte, Medizin oder Wissenschaft.

00:01:08: Sie ist eigentlich ziemlich vernünftig!

00:01:10: Wenn ich etwas in meinem Körper gebe darf ich doch wissen was es dort macht?

00:01:16: Ich möchte wissen warum ich es bekomme Was die Nebenwirkungen sein sollen und woran ich erkennen kann dass etwas nicht so läuft wie es laufen sollte.

00:01:27: Moment mal... Ist das wirklich

00:01:29: so?!

00:01:30: Der Beipackzettel ist allerdings auch ein Horoskop.

00:01:34: Man muss nicht jede Zeile persönlich verwirklichen und genau hier hat Fliege eine wichtige Aufgabe.

00:01:43: Pflegekräfte erleben Veränderungen oft sehr nahe, sie sehen wenn jemand plötzlich anders reagiert.

00:01:49: Sie merken wenn die Kraft nachlässt Wenn jemand ungewöhnlich schliefrig wird oder wenn sich Verhalten und Stimmung verändern.

00:01:59: Diese Beobachtung sind keine Nebensache.

00:02:02: Sie können wichtige Hinweise sein, die an Ärzte weitergegeben und gemeinsam geprüft werden müssen.

00:02:09: Dafür müssen wir allerdings auch den Mut haben unsere Wahrnehmung ernst zu nehmen!

00:02:16: Und das betrifft nicht nur Pflegekräfte.

00:02:18: es betrifgt jeden Menschen der medizinisch behandelt wird und genauso Angehörige.

00:02:25: Wir dürfen fragen welche Nebenwirkungen bekannt sind?

00:02:28: Wir dürfen wissen wollen worauf ihr achten sollen.

00:02:32: Wir dürfen nachfragen, wenn sich etwas verändert.

00:02:36: Wir dürfen auch fragen wie lange eine Behandlung vorgesehen ist und ob sie irgendwann erneut überprüft werden sollte.

00:02:44: Ich finde es echt interessant Wie selbstverständlich wir in anderen Bereichen Nachfragen Wenn das Auto nach dem Werkstatt Besuch plötzlich merkwürdige Geräusche macht sagen die wenigsten Naja... Das wird schon dazugehören.

00:03:02: Da hören wir plötzlich sehr genau hin.

00:03:05: Was klappt da?

00:03:07: War das vorher auch schon da?

00:03:10: Warum leuchtet diese Lampe?

00:03:13: Beim eigenen Körper sind wir manchmal erstaunlich großzügig!

00:03:18: Schwindel wird schon gehen, Bühdigkeit ist bestimmt das Wetter.

00:03:24: Appetit weg naja.

00:03:26: und irgendwann sammeln wir Erklärung wie andere Leute Bonuspunkte.

00:03:32: Dabei wäre eine einfache Frage oft hilfreicher.

00:03:37: Seit wann ist das so und was hat sich vorher verändert?

00:03:41: Das bedeutet nicht, dass wir uns nach jeder Tablette beobachten müssen als würden wir eine wissenschaftliche Untersuchung an uns selbst durchführen!

00:03:51: Es geht auch nicht darum Beipackzettel zu lesen und anschließend festzustellen, genannten Beschwerden entwickelt hat.

00:04:04: Unser Kopf ist schließlich ein ziemlich kreativer Mitarbeiter, besonders wenn er nachts um halb zwei einen Beipackzettel bekommt.

00:04:14: Es geht um ein gesundes Maß an Aufmerksamkeit – denn eine Behandlung sollte nicht nur begonnen sondern auch begleitet werden!

00:04:24: Hilft sie?

00:04:26: Wie geht es den Menschen damit?

00:04:28: Hat sich irgendwie verbessert?

00:04:32: Stattdessen etwas Neues hinzugekommen, muss etwas verändert werden.

00:04:38: Genau solche Fragen gehören für mich zu einer verantwortungsvollen Behandlung.

00:04:45: Dazu gehört auch unterschiedliche Beobachtungen zusammenzubringen.

00:04:50: Der Arzt sieht ein Teil des Bildes Die Pflege sieht einen anderen.

00:04:57: der Patient lebt seinen Körper aus einer Perspektive die niemand anders haben kann.

00:05:06: Angehörige bemerken möglicherweise Veränderungen im Alltag.

00:05:10: Keiner dieser Blickwinkel besitzt automatisch das vollständige Bild, wenn wir aber bereit sind aneinander zuzuhören können wir aus einzelnen Informationen Zusammenhänge entstehen und genau deshalb stört mich diese Vorstellung nachfragen sei gleich bedeutend mit Missbrauch.

00:05:34: eine Frage kann doch auch heißen Ich möchte verstehen, was passiert mit mir?

00:05:41: Warum bekomme ich diese Behandlung.

00:05:43: Was soll besser werden?

00:05:45: Worauf sollte ich achten und was mache ich wenn ich eine Veränderung bemerke das in Fragen eines Menschen der Verantwortung für sich übernimmt?

00:05:57: natürlich können wir nicht alles wissen.

00:06:00: dafür gibt's Fachleute aber Fachwissen und eigene Wahrnehmungen sollten keine Gegner sein.

00:06:08: Sie gehören zusammen.

00:06:10: Ein Arzt kann medizinisches Wissen einbringen, eine Pflegekraft ihre Beobachtung und der Patient sein eigenes Erleben.

00:06:20: Wenn diese Informationen miteinander sprechen dürfen entsteht ein vollständigeres Bild.

00:06:28: Problematisch wird es dort wo einer nicht mehr zuhört wenn der Patient denkt er dürfe nichts fragen und sie nicht ernst genommen wird.

00:06:42: Oder wenn Fachleute so miteinander sprechen, dass der Mensch um den es eigentlich geht irgendwann danebensitzt und sich fragt ob er bei seiner eigenen Behandlung noch eine Nebenrolle bekommen hat?

00:06:57: Am Ende geht es bei der Frage nach Nebenwirkung deshalb um mehr als ein Beipackzettel.

00:07:05: Es geht darum die eigene Wahrnehmung nicht an der Praxistür abzugeben.

00:07:11: Es geht darum, Verantwortung nicht mit Misstrauen zu verwechseln.

00:07:16: Es geht da drum wieder Fragen zu stellen wenn wir etwas nicht verstehen Denn eine Frage ist noch keine Ablehnung.

00:07:26: Eine Frage ist manchmal einfach der Anfang davon etwas besser zu verstehen.

00:07:32: Wenn mir diese Folge gefallen hat, wenn du einen Gedanken mitnehmen konntest oder dich an einer Stelle wiedererkannt hast dann lass mir gerne ein Like da Wenn du magst, schreib mir einen Kommentar und teile deine Sichtweise.

00:07:47: Mich interessiert auch ob du schon einmal erlebt hast dass eine Veränderung zunächst ganz anders erklärt wurde und sich später herausstellte das eine Behandlung oder ein Medikament eine Rolle gespielt hat.

00:08:03: Und wenn du jemanden kennst für den diese Folge interessant sein könnte dann teile sie gerne.

00:08:09: So bringen wir gemeinsam ein bisschen mehr Klarheit Menschlichkeit Und auch, dass eine oder andere schmunzeln in diesem so manchmal ziemlich angespannte Welt.

00:08:22: Bis zur nächsten Folge von Sichtweiser von und mit Annette Pelzer!

00:08:27: Bleibt klar menschlich und vergiss nicht Vertrauen darf Fragen aushalten Denn wer nachfragt stellt nicht automatisch etwas infrage.

00:08:38: Manchmal nimmt er einfach nur sich selbst ernst.

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