Wendy in der Pflege: Wenn Fürsorge zur Selbstaufgabe wird | Sicht Weise von und mit Anette Pelzer

Shownotes

Du kümmerst dich. Du springst ein. Du denkst mit. Du merkst, dass jemand überfordert ist, bevor die Person es selbst ausspricht.

Du übernimmst noch schnell einen Dienst, obwohl du eigentlich frei hast. Du bleibst länger, weil du die Kollegen nicht hängen lassen willst. Du gehst arbeiten, obwohl dein Körper längst sagt, dass eigentlich Schluss wäre.

Und irgendwann sitzt du zu Hause und fragst dich:

Warum eigentlich immer ich?

Genau hier beginnt das Thema dieser Folge.

In „Wendy: Fürsorge ohne Selbstaufgabe“ spricht Anette Pelzer darüber, warum gerade in der Pflege Hilfsbereitschaft so schnell zur Selbstverständlichkeit werden kann. Denn Pflege braucht Fürsorge. Sie braucht Menschen, die mitdenken, Verantwortung übernehmen und füreinander da sind.

Schwierig wird es dort, wo aus Fürsorge Selbstaufgabe wird.

Wo ein Nein sofort Schuldgefühle auslöst.

Wo Pflegekräfte anfangen, strukturelle Probleme mit der eigenen Freizeit, der eigenen Gesundheit und den eigenen Reserven auszugleichen.

Denn wenn immer jemand einspringt, bleibt oft unsichtbar, wie groß das eigentliche Problem ist.

Auf dem Papier hat der Dienst vielleicht funktioniert.

In Wahrheit haben Menschen ihn aufgefangen.

Anette spricht darüber, warum Verantwortung nicht bedeutet, jedes Loch im Dienstplan selbst zu stopfen. Warum ein Nein nicht lieblos ist. Warum gute Pflegekräfte nicht daran gemessen werden sollten, wie vollständig sie sich aufreiben.

Und warum ein Beruf, dessen Kern Fürsorge ist, nicht verlangen darf, dass diejenigen, die diese Fürsorge leisten, sich selbst dabei vergessen.

Eine Folge über Grenzen, Verantwortung, Schuldgefühle, Anerkennung und eine Frage, die vielleicht öfter gestellt werden sollte:

Ist das gerade wirklich meine Verantwortung?

Oder springt meine innere Wendy schon wieder los, obwohl ich eigentlich längst Feierabend brauche?

Denn Grenzen sind keine Lieblosigkeit.

Manchmal sind sie der Anfang einer gesunden Form von Verantwortung.

Transkript anzeigen

00:00:00: Wendy, fürsorge ohne Selbstaufgaben.

00:00:06: Hallo und herzlich willkommen bei Sichtweise von und mit Annette Pelzer.

00:00:11: Heute sprechen wir über etwas das in der Pflege auf den ersten Blick fast wie eine berufliche Qualifikation wirken könnte.

00:00:21: Du kümmerst dich!

00:00:23: Du springst ein du denkst für andere mit du merkst dass eine Kollegin überfordert ist bevor sie selbst überhaupt dazu kommt.

00:00:33: Du übernimmst noch schnell den Dienst, obwohl du eigentlich frei hast.

00:00:38: Du bleibst länger weil du deine Kollegen nicht hängen lassen möchtest.

00:00:43: Du gehst mit Rückenschmerzen arbeiten, weil sonst niemand da ist und irgendwann sitzt du völlig erschöpft zu Hause und fragst dich warum eigentlich immer du?

00:00:54: Pflege-und Wendy passen nämlich gefährlich gut zusammen.

00:00:59: Wer jedes Loch im Dienstplan mit dem eigenen Privatleben stopft Darf sich nicht wundern, wenn daheim irgendwann nur noch der Anrufbeantworter wohnt.

00:01:12: Wer ein Pflegeberuf ergreift bringt häufig eine hohe Bereitschaft mit Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen.

00:01:20: Das ist zunächst etwas Wertvolles.

00:01:24: Ohne Fürsorge funktioniert Pflegen normal nicht.

00:01:27: Problematisch wird es dort wo aus Fürsorge selbst Aufgabe wird Wenn ich nicht mehr helfe weil Hilfe gerade notwendig unfachlich sinnvoll ist, sondern weil ich glaube für alles verantwortlich zu sein.

00:01:44: Genau darin steckt ein wichtiger Teil dieses Musters.

00:01:49: Grenzen zu setzen fühlt sich plötzlich nicht nach einer normalen Entscheidung an, sondern nach Schuld!

00:01:58: Ich lass die Anderen nicht hängen.

00:02:01: Ich bin egoistisch.

00:02:04: Was sollen die Kollegen denken?

00:02:06: Wer kümmert sich dann um die Bewohner?

00:02:10: Also übernimmt man Verantwortung, die eigentlich gar nicht die eigene ist.

00:02:16: Und genau hier müssen wir unterscheiden – ich habe als Pflegekraft Verantwortung für meine Arbeit!

00:02:23: Ich habe Verantwortung für mein fachliches Handel und für die Menschen, die mir im Rahmen meiner Tätigkeit anvertraut sind.

00:02:33: Aber ich bin nicht persönlich dafür verantwortlich strukturellen Personalmangel auszugleichen.

00:02:40: Ich bin auch nicht dafür verantwortlich, jeden Fehler im Dienstplan mit meiner Freizeit zu reparieren!

00:02:47: ich bin auch noch nicht dafür zuständig dauerhaft die Belastungsgrenzen anderer Menschen aufzufangen.

00:02:55: das klingt so selbstverständlich denn dieses System funktioniert an vielen Stellen gerade deshalb noch weil menschen mehr geben als eigentlich vorgesehen ist.

00:03:07: Einer bleibt länger, der andere verzichtet auf die Pause.

00:03:13: Jemand übernimmt zusätzlich Patienten und am Ende sieht es auf dem Papier irgendwie so aus als hätte es funktioniert.

00:03:22: Hat das aber nicht!

00:03:25: Menschen haben es aufgefangen.

00:03:28: Das ist ein gewaltiger Unterschied und hier bekommt man dass wenn die Syndrom eine zweite Seite denn wenn ich ständig rette verhindere ich unter Umständen auch dass sichtbar wird, das ohne mein Retten passieren würde.

00:03:45: Das ist zwar unangenehm!

00:03:47: Denn wir Pflegekräfte wissen wer am Ende darunter leiden könnte – der Patient, der Bewohner.

00:03:56: Genau deshalb funktioniert der innere Druck so gut.

00:04:00: Wir können einen Menschen schließlich nicht wie ein Aktenordner auf dem Schreibtisch legen und sagen mach ich morgen also machen wir weiter und weiter.

00:04:13: Und noch ein bisschen weiter!

00:04:16: Herzlichen Glückwunsch.

00:04:18: Ich übernehme ab jetzt die Kommunikation.

00:04:23: Offenbar hörst du sonst nicht zu, das spannende daran ist dass Menschen mit einem ausgeprägten Fürsorgenmuster häufig sehr zuverlässig wirken.

00:04:35: sie werden ja auch gebraucht.

00:04:37: auf sie ist Verlass Sie können organisieren springe ein und halten Dinge einfach zusammen.

00:04:43: Dafür bekommen sie Anerkennung.

00:04:47: Auf dich kann man sich immer verlassen!

00:04:49: Das ist ein wunderschöner Satz, bis man merkt dass darin manchmal auch eine Stellenbeschreibung steckt.

00:04:57: Denn wer immer verfügbar ist wird irgendwann selbstverständlich eingeplant nicht unbedingt aus Bosheit.

00:05:04: Menschen gewöhnen sich schlicht an das was funktioniert.

00:05:08: Wenn du zehnmal eingesprungen bist, entsteht beim elften Mal nicht automatisch die Frage ob das eigentlich gesund für dich ist.

00:05:16: Es entsteht die Telefonnummer und deshalb gehört zur Fürsorge auch die Fähigkeit Nein zu sagen.

00:05:26: Ein Nein bedeutet Nicht!

00:05:28: Mir sind meine Kollegen egal.

00:05:30: Ein nein bedeutet nicht mir sind die Patienten egal.

00:05:34: Einen Nein kann bedeuten heute übernehme ich Nicht die Verantwortung für ein Problem, das ich nicht verursacht habe.

00:05:44: Vielleicht müssen wir in der Pflege sogar neu lernen was Hilfsbereitschaft bedeutet.

00:05:51: Hilfen heißt nicht sich selbst dauerhaft zur Verfügung zu stellen.

00:05:55: Für Sauerge braucht Grenzen sonst wird aus einem Beruf irgendwann eine Lebensform um bei der alle Bedürfnisse berücksichtigt werden außer die eigenen Denn auch darin kann ein Teil des Wendy-Musters liegen.

00:06:15: Es gibt Bedeutung, Anerkennung und Sicherheit – man weiß welchen Platz man hat!

00:06:23: Die zuverlässige Kollegen diejenige die alle schafft der Kollege den man immer fragen kann.

00:06:32: nur darf unser eigener Wert nicht davon abhängen wie viel wir für andere tragen.

00:06:40: Eine gute Pflegekraft ist nicht diejenige, die sich am Vollständigen aufreibt.

00:06:48: Eine gut Pflege Kraft ist auch nicht diejenigen, die nach sechs Diensten sagt ach und siebten schaffe ich auch noch.

00:06:57: Natürlich schaffst du in möglicher Weise!

00:07:00: Die spannende Frage lautet warum solltest Du ihn schaffen müssen?

00:07:06: Pflege braucht verantwortungsbewusste Menschen Aber Verantwortung bedeutet eben auch, die eigenen Grenzen wahrzunehmen.

00:07:16: Denn ein Beruf dessen Kern Fürsorge ist darf nicht verlangen dass diejenigen die diese Fürsage leisten sich selbst dabei vergessen.

00:07:28: Ist das gerade wirklich meine Verantwortung oder springt meine innere Wendy schon wieder los während ich selbst eigentlich dringend Feiern brauche?

00:07:38: Wendy darf Fürsorge bleiben oder Fürsorglich Bleiben Sie darf auch helfen und sie darf vor allen Dingen mitdenken.

00:07:48: Sie darf Menschen begleiten, aber sie darf auch irgendwann sagen Peter du bist erwachsen kümmere dich bitte selbst darum.

00:07:59: Und auf die Pflege übertragen könnte das bedeuten Ich mache meine Arbeit verantwortungsvoll ich bin für menschen da Aber ich werde mich nicht mehr selbst verbrauchen damit ein System nach außen funktioniert, das innen längst an seine Grenzen angekommen ist.

00:08:19: Denn Grenzen sind keine Lieblosigkeit!

00:08:24: Manchmal sind sie der Anfang einer gesunden Form von Verantwortung – bis zum nächsten Mal.

00:08:30: Wenn dir diese Folge einen Gedanken mitgegeben hat oder einen Schmunzeln entlockt hat, dann lass mir gerne ein Like da.

00:08:38: Schreib mal einen Kommentar oder teile Sie für den das Thema wichtig sein könnte.

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