Cinderella wartet nicht mehr: Raus aus dem Warten auf Rettung | Sicht Weise von und mit Anette Pelzer

Shownotes

Cinderella hatte wenigstens eine gute Fee.

Im echten Leben sieht es mit der Terminlage von Feen, Prinzen und anderen professionellen Lebensrettern leider eher schlecht aus.

Trotzdem warten viele Menschen.

Auf den richtigen Partner. Auf den richtigen Moment. Auf jemanden, der Sicherheit gibt. Auf jemanden, der Entscheidungen abnimmt. Auf jemanden, der endlich erkennt, was wir brauchen. Auf jemanden, der unser Leben ein bisschen bequemer, leichter oder glücklicher macht.

Genau darum geht es in dieser Folge von „Sicht Weise – von und mit Anette Pelzer“.

Das sogenannte Cinderella-Syndrom beschreibt keine psychische Erkrankung. Es steht vielmehr für ein Verhaltensmuster, bei dem Menschen ihre Sicherheit, ihr Glück oder wichtige Entscheidungen stark von anderen abhängig machen.

Besonders deutlich zeigt sich das in Beziehungen.

Natürlich dürfen Menschen füreinander da sein.

Aber es gibt einen Unterschied zwischen Unterstützung und Rettung.

Unterstützung bedeutet: Ich gehe meinen Weg und du darfst mich begleiten.

Rettung bedeutet: Ich bleibe stehen und erwarte, dass du mich trägst.

Und irgendwann wird es für beide Seiten anstrengend.

Der eine organisiert, entscheidet, beruhigt, plant und fängt auf.

Der andere fühlt sich abhängig, nicht gesehen oder irgendwann im Stich gelassen.

Das Problem daran:

Solche Muster entstehen oft nicht aus Bequemlichkeit.

Wer früh gelernt hat, sich anzupassen, möglichst wenig anzuecken oder eigene Wünsche zurückzustellen, kann später Schwierigkeiten damit haben, überhaupt noch zu wissen, was er selbst möchte.

Und genau da wird es spannend.

Denn die entscheidende Frage lautet irgendwann nicht mehr:

„Warum macht der andere das nicht für mich?“

Sondern:

„Was möchte eigentlich ich?“

Wo sage ich Ja, obwohl in mir längst ein ziemlich deutliches Nein sitzt?

Welche Entscheidung schiebe ich vor mir her, weil ich hoffe, jemand anderes übernimmt sie?

Wo beschwere ich mich über fehlende Freiheit, warte aber gleichzeitig auf die Erlaubnis, etwas zu verändern?

Selbstbestimmung beginnt selten mit einem großen dramatischen Schnitt.

Sie beginnt klein.

Eine eigene Meinung aussprechen. Eine Grenze setzen. Einen Wunsch formulieren. Ein Nein aushalten. Eine Entscheidung treffen.

Und vielleicht auch akzeptieren, dass nicht jede Entscheidung perfekt sein wird.

Denn Freiheit gibt es nicht ohne Verantwortung.

Aber genau darin steckt etwas unglaublich Befreiendes.

Wir müssen nicht darauf warten, ausgewählt zu werden.

Wir können selbst auswählen.

Wir müssen nicht hoffen, dass jemand unseren Wert erkennt.

Wir dürfen ihn selbst kennen.

Und wir müssen nicht darauf warten, dass jemand mit unserem verlorenen Schuh vor der Tür steht.

Wir haben schließlich noch einen zweiten.

Damit kann man schon mal loslaufen.

Wie siehst du das?

Wo endet für dich Unterstützung und wo beginnt Abhängigkeit?

Und gibt es eine Entscheidung, bei der du vielleicht schon länger darauf wartest, dass jemand anderes sie für dich trifft?

Schreib Anette gerne deine Sichtweise dazu, teile die Folge und diskutiere mit.

Sicht Weise – von und mit Anette Pelzer.

Transkript anzeigen

00:00:00: Cinderella, raus aus dem Waden auf Rettung.

00:00:06: Hallo und herzlich willkommen bei Sichtweise von und mit Annette Pelzer!

00:00:14: Heute geht es um ein Märchen allerdings nicht um Kürbiskutschen, gläserne Schuhe und einen Prinzen mit offenbar sehr viel Freizeit der nebenbei ein ganzes Königreich nach einer Frau absucht bereits deren Schuhgröße kennt.

00:00:34: Es geht um das Cinderella-Syndrom und damit um etwas, dass weit weniger märchenhaft ist als der Name hier vermuten lässt.

00:00:48: es geht um die innere Erwartung, dass irgendwann jemand kommt, der unser Leben verändert uns Sicherheit gibt Entscheidungen abnimmt uns rettet oder endlich dafür sorgt, dass wir glücklich werden braucht es aber weder einen Prinzen noch ein Schloss.

00:01:09: Dieses Muster kann sich in allen Bereichen des Lebens wiederfinden, also sprich Beruf, Familien oder auch Beziehung zwischen zwei Menschen wo wir unsere eigene Gestaltungskraft Stück für Stück an andere abgeben.

00:01:30: Besonders deutlich kann dieses Muster in Beziehungen werden.

00:01:34: da wird Liebe mit Versorgung verwechselt Nähe mit Abhängigkeit und Fürsorge, mit Verantwortungsübernahme.

00:01:44: Natürlich dürfen Menschen füreinander da sein!

00:01:46: Eine Beziehung in der jeder grundsätzlich sagt Dein Problem viel Spaß damit wäre vermutlich auch eher eine Zweckgemeinschaft und mit gemeinsamen Kühlschrank.

00:02:00: Aber es gibt einen Unterschied zwischen Unterstützung und Rettung.

00:02:06: Unterstützung bedeutet, ich gehe mein Weg und du darfst mich dabei begleiten.

00:02:12: Reitung bedeutet Ich bleibe stehen und erwarte dass Du mich trägst.

00:02:18: Schwierig wird es wenn die eigene Sicherheit vollständig davon abengt das der andere bleibt und zustimmt bestätigt oder auch Entscheidungen übernimmt.

00:02:31: dann verändert sich auch die Beziehung Denn aus zwei erwachsenen Menschen können unbemerkt Rollen entstehen, in denen einer verantwortlich wird und der andere abhängig.

00:02:46: Das fühlt sich dann irgendwann für beide nicht mehr so richtig gut an!

00:02:51: Der eine fühlt es sich eingeengt oder auch überfordert, der andere wiederum übersehen – und nicht ausreichend geliebt oder im Stich gelassen.

00:03:03: Dabei kämpfen beiden möglicherweise gar nicht gegeneinander.

00:03:08: Sie stecken in einem Musterfest, das irgendwann einmal Sicherheit gegeben hat.

00:03:15: Der Prinz darf gerne kommen aber er sollte nicht zugleich Lebensberater, Navigationsgerät oder persönlicher Hausmeister sein müssen.

00:03:26: und genau deshalb lohnt es sich Nicht nur zu fragen Warum mache ich das?

00:03:33: Sondern auch Wozu habe ich das einmal gebraucht?

00:03:39: Abhängigkeit entsteht nicht aus dem Nichts.

00:03:44: Wer gelernt hat, dass Anpassung an Erkennung bringt das eigene Entscheidung unerwünscht sind und das Sicherheit davon abhängt möglichst wenig anzuecken entwickelt nachvollziehbare Strategien.

00:04:01: wer häufig gehört hat was richtig für ihn ist kann irgendwann Schwierigkeiten bekommen herauszufinden was er selbst eigentlich möchte.

00:04:11: Dann wird aus einem früher sinnvollen Schutzmechanismus später ein ziemlich unbequemes Kleidungsstück.

00:04:20: Es hat ja einmal gepasst!

00:04:23: Heute knifft es an allen Ecken und trotzdem tragen wir es weiter, weil wir vergessen haben dass wir uns umziehen dürfen.

00:04:34: der erste Schritt beginnt nämlich erstaunlicherweise unspektakulär nicht mit einer Kutsche und vermutlich auch nicht um Mitternacht.

00:04:44: Er beginnt mit einer einfachen Frage, was möchte ich eigentlich?

00:04:50: Das klingt...einfach!

00:04:53: Kann aber auch verdammt schwierig werden wenn man lange darauf trainiert wurde zuerst zu schauen was alle anderen brauchen.

00:05:03: Was möchte ich?

00:05:05: Was gefällt mir nicht mehr?

00:05:08: Wo sage ich ja obwohl in mir längsten nein sitzt und mit verschränkten Armen schlechte Laune bekommt.

00:05:18: Welche Entscheidung schiebe ich vor mir her?

00:05:21: Weil, ich hoffe jemand anderes trifft sie für mich!

00:05:25: Und in welcher Stelle beschwere ich mich über meine fehlende Freiheit, während ich gleichzeitig darauf warte dass mir jemand die Erlaubnis dafür gibt.

00:05:39: Eigenständigkeit wechseln nicht dadurch das wir eines morgens beschließen ab sofort vollkommen souverän zu sein.

00:05:48: Sie wächst durch kleine Entscheidungen, eine eigene Meinung aussprechen, eine Grenze setzen einen Wunsch formulieren aber auch ein Nein aushalten – auch wenn der andere darüber nicht begeistert ist.

00:06:06: Eine Entscheidung treffen und akzeptieren dass sie sich später als falsch herausstellen kann das gehört nämlich ebenfalls zur Freiheit.

00:06:18: Verantwortung gehört mit ins Paket.

00:06:21: Keine Sorge, die Gebrausanweisung fehlt bei allen und dann verändert sich etwas Entscheidendes!

00:06:29: Wir müssen nicht mehr darauf warten ausgewählt zu werden – wir beginnen selbst auszuwählen.

00:06:36: Wir müssen nie hoffen dass jemand unseren Wert erkennt.

00:06:40: Wir dürfen ihn selbst kennen.

00:06:49: können Sie aussprechen.

00:06:52: Und wir müssen nicht auf den Menschen warten, der unser Leben endlich in Ordnung bringt!

00:06:57: Wir dürfen anfangen es selbst zu gestalten und trotzdem Menschen an unserer Seite zu haben.

00:07:07: Es beginnt sich aufzulösen wenn wir aufhören unser eigenes Leben in fremde Hände zu legen Wenn wir Unterstützung von Abhängigkeit unterscheiden können Wenn wir lernen, dass Selbstbestimmung manchmal unbequem ist aber genau darin unsere Würde liegt und wenn wir begreifen das der wichtigste Mensch auf dessen Auftauchen wir die ganze Zeit gewartet haben möglicherweise links da ist.

00:07:38: In diesem Sinne danke ich dir fürs Zuhören bei Sichtweise von und mit Annette Pelzer!

00:07:45: Wenn dir dieser Podcast Gedanken bei dir selbst angestoßen hat.

00:07:51: Und du merkst, einen alten Schuh zum Drücken gebracht hat oder dir sogar ein kleines Schmunzeln entlockt hat?

00:08:00: Dann lasst gerne ein Like da!

00:08:02: Oder ein Kommentar und teile die Folge mit Menschen für die dieses Thema interessant sein könnte – bis zum nächsten Mal beisichtweise.

00:08:14: Bleib also neugierig, schau hin und vor allem Warte nicht darauf, dass jemand mit deinem verlorenen Schuh vor der Tür steht.

00:08:24: Du hast schließlich noch einen zweiten.

00:08:27: Damit kann man schon mal loslaufen!

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