Peter flieht, Wendy rettet, Cinderella leidet: Das Dramadreieck | Sicht Weise von und mit Anette Pelzer
Shownotes
Peter Pan, Wendy und Cinderella arbeiten gemeinsam auf einem Wohnbereich. Peter fliegt vor der Verantwortung davon, Wendy hält alles zusammen und Cinderella arbeitet still weiter – in der Hoffnung, dass irgendwann jemand erkennt, was sie Tag für Tag leistet.
Was nach einer etwas schrägen Märchenstunde klingt, führt mitten hinein in das psychologische Dramadreieck. Es beschreibt drei Rollen, die Menschen in belastenden Beziehungen und Konflikten einnehmen können: Opfer, Retter und Verfolger.
Diese Rollen sind nicht dauerhaft verteilt. Menschen können innerhalb kürzester Zeit von einer Position in die andere wechseln. Aus gut gemeinter Hilfe wird plötzlich Druck. Aus Enttäuschung entsteht ein Vorwurf. Und wer sich zunächst gerettet fühlte, erlebt dieselbe Hilfe wenig später vielleicht als Bevormundung.
In dieser Folge spricht Anette Pelzer darüber,
– warum Menschen wie Wendy in der Pflege besonders wertvoll und gleichzeitig gefährdet sind,
– wie aus Fürsorge schleichend Überverantwortung werden kann,
– weshalb stille Leistung und ausbleibende Anerkennung erschöpfen,
– wie Retter, Opfer und Verfolger ihre Rollen wechseln,
– warum das Dramadreieck nicht nur im Pflegealltag vorkommt,
– und weshalb der Ausstieg nicht mit der Analyse der anderen, sondern mit der eigenen Selbstreflexion beginnt.
Das Dramadreieck ist keine Diagnose und kein Etikett für Kolleginnen, Kollegen oder Angehörige. Es ist ein Modell, das helfen kann, wiederkehrende Beziehungsmuster zu erkennen. Entscheidend ist daher nicht die Frage, welche Märchenfigur die anderen verkörpern. Spannender ist: Wann werde ich selbst zu Peter Pan, Wendy oder Cinderella?
Welche dieser Rollen begegnet dir im Arbeitsalltag besonders häufig? Und in welcher erkennst du dich selbst manchmal wieder?
Wenn dir die Folge gefallen oder einen neuen Gedanken mitgegeben hat, freue ich mich über ein Like, einen Kommentar oder eine Weiterempfehlung.
Mehr über Anette Pelzer und ihre Arbeit:
„Sicht Weise – von und mit Anette Pelzer“ erscheint jeden Sonntag um 10 Uhr.
Transkript anzeigen
00:00:02: Drama Dreieck, Peter Pan, Wendy und Cinderella.
00:00:07: Hallo und herzlich willkommen bei Sichtweise von und mit Annette Pälzer.
00:00:12: Heute machen wir etwas das es auf den ersten Blick ein bisschen nach mehreren Stunden klingt Auf den zweiten Blick allerdings verdächtig nach Pflegealltag.
00:00:22: Stellen uns vor Peter Pan Wendi und Cinderella arbeiten gemeinsam auf einem Wohnbereich Nicht im Nimmerland Nicht im Schloss und auch nicht irgendwo zwischen Feenstaub- und Kürbiskotcher.
00:00:36: Nein!
00:00:38: Ganz normaler Frühdienst, sechs Uhr Übergabe.
00:00:42: der Kaffee hat noch keine therapeutische Wirkung entfalten können und irgendwo klingelt bereits jemand obwohl offiziell noch gar keiner wirklich richtig angefangen hat.
00:00:53: Willkommen in der Pflege.
00:00:55: Das Drama Dreieck beschreibt drei Rollen, die Menschen in schwierigen Beziehungen oder Konflikten einnehmen können.
00:01:02: Nämlich Opfer, Retter und Verfolger!
00:01:06: Das spannende daran ist dass diese Rollen nicht fest vergeben sind.
00:01:10: es gibt also nicht.
00:01:13: Morgens bei der Rollenverteilung einen Zettel mit der Aufschrift Herzlichen Glückwunsch du bist heute das Opfer.
00:01:22: Menschen können innerhalb kürzester Zeit von einer Position in die andere wechseln.
00:01:28: Genau deshalb ist dieses Dreieck so anstrengend.
00:01:32: Jeder reagiert auf jeden, jeder glaubt auf das Verhalten des anderen reagieren zu müssen und irgendwann weiß keiner mehr so genau wer eigentlich angefangen wird.
00:01:45: Das kennen wir aus Beziehungen Familien Und natürlich auch in der Pflege Und damit hätten wir drei Persönlichkeiten, die uns im Pflegealltag erstaunlich bekannt vorkommen können.
00:01:59: Das Ganze ist also weniger Märchenstunde als Beziehungsschichtdienst.
00:02:05: Einer fliegt, eine räumt hinterher und die Dritte wartet darauf dass endlich jemand den Dienstplan des Lebens übernimmt – meistens Wendy!
00:02:17: Und jetzt wird es richtig interessant….
00:02:20: Denn Menschen wie Wendy sind in der Pflege unglaublich wertvoll und gleichzeitig gefährdend.
00:02:29: Wer ständig spürt, was andere brauchen kann irgendwann vergessen zu spüren, was er eigentlich selber braucht.
00:02:37: Aus Fürsorge wird über Verantwortung.
00:02:41: Aus Hilfsbereitschaft werden stilles.
00:02:43: Ich mach das!
00:02:45: Und aus ich mach da schon entsteht irgendwann dieser Gesichtsausdruck den Pflegekräfte hervorragend beherrschen.
00:02:54: Der Mund sagt alles gut.
00:02:57: Die Augen haben allerdings bereits die Kündigung eingereicht.
00:03:02: Cinderella funktioniert und genau das kann auch zu einem Problem werden.
00:03:09: Cinderella wartet im Märchen darauf, gesehen zu werden.
00:03:13: In der Pflege dürfen wir genau darüber sprechen.
00:03:17: Wie viele Menschen leisten Tag für Tag großartige Arbeit?
00:03:22: Und hoffen insgesamt oder insgeheim darauf dass irgendwann jemand erkennt, was sie alles auffangen.
00:03:32: Doch wenn Anerkennung dauerhaft ausbleibt wird das Hingabe oder Wirtaus-Hingabe einfach eine komplette Erschöpfung.
00:03:44: Dann hilft irgendwann auch kein Prinz mehr wobei der Offenwohnbereich ohnehin erstmal die Datenschutzbelehrung unterschreiben müsste denn Peter braucht wendig!
00:03:57: solange sie eine Verantwortung mitträgt.
00:04:00: Wendy braucht das Gefühl, Gebrauch zu werden, so lange sie ihren eigenen Wert stark über diese Fürsorge definiert.
00:04:10: Cinderella arbeitet weiter, solange Sie glaubt dass irgendwann jemand von alleine bemerkt wie viel sie leistet.
00:04:19: So können sich Verhaltensweisen gegenseitig stabilisieren obwohl am Ende alle darunter leiden.
00:04:27: Das erleben wir nicht nur in der Pflege.
00:04:29: Wir kennen solche Rollen auch aus Familien, in sämtlichen Beziehungen, Freundschaftsbeziehung.
00:04:38: Einer macht sich die Welt leichter, einer hält alles zusammen und einer arbeitet still weiter.
00:04:46: Das Spannende ist deshalb nicht die Frage welche Märchenfigur wir entsprechen.
00:04:52: Menschen sind keine Figuren mit festgeschriebenem Drehbuch.
00:04:56: Interessanter ist aber die Frage Wenn wir selbst Peter Pan werden.
00:05:01: Wann Wendy und wann Cinderella?
00:05:05: Cinderella kann damit hervorragend in die Opferrolle des Dramadreiks geraten.
00:05:10: Das bedeutet nicht, dass Menschen nicht tatsächlich opferschwieriger Lebensumstände oder das Verhaltens anderer werden können.
00:05:16: Das muss klar voneinander getrennt werden.
00:05:19: Im psychologischen Drama-Drei geht es um eine Beziehungshaltung In der die eigene Handlungsfähigkeit aus dem Blick gerät.
00:05:28: Der Gedanke lautet dann nicht mehr, mir ist etwas passiert und jetzt schau ich was ich tun kann.
00:05:36: Er lautet eher erst wenn jemand anderes sich verändert oder mich rettet, kann es mir besser gehen.
00:05:45: Und wer passt wunderbar zu Zenerila?
00:05:48: Natürlich!
00:05:49: Ein Ritter Wenn die steht schon mit gepackter Handtasche bereit.
00:05:55: Sie sieht jemanden leiden und denkt das kriegt man hin.
00:05:58: Und manchmal bedeutet dieses Vier erstaunlicherweise das hauptsächlich wenn die arbeitet.
00:06:06: Sie gibt Ratschläge, organisiert Lösungen und übernimmt Verantwortung.
00:06:11: Cinderella fühlt sich zunächst erstmal verstanden und auch natürlich gut versorgt.
00:06:16: Funktioniert die Rettung allerdings nicht?
00:06:20: Kann auch hier die Stimmung kippen!
00:06:23: Der Retter ist enttäuscht weil seine Hilfe nicht angenommen oder nicht ausreichend gewürdigt wird.
00:06:31: Das Opfer fühlt sich bedrängt.
00:06:33: Und ehe man sich versieht, wird aus Ich möchte dir helfen ein Du willst dir ja gar nicht helfen lassen!
00:06:43: Der Retter steht plötzlich als Verfolgerner.
00:06:47: Cinderella fühlt sie noch stärker als Opfer.
00:06:50: das Dreieck dreht dann eine weitere Runde.
00:06:55: Aus dem Dramadreik herauszukommen, heißt deshalb nicht Peter Pan endlich ordentlich zusammenzustauchen.
00:07:02: Wenn die das helfen zu verbieten und generell damit zuteilen sie solle gefälligst ihre eigene Kutsche bauen Es bedeutet zunächst die eigene Rolle zu erkennen Nicht die des anderen.
00:07:16: Das ist nämlich der unangenehme Teil.
00:07:19: Wir Menschen sind nämlich ausgesprochen talentiert darin das Verhalten unseres Gegenübers zu analysieren.
00:07:27: Bei uns selbst wird die Psychologische Lupe erstaunlich schnell unscharf.
00:07:33: Und deshalb lohnt sich beim nächsten Dienst ein kleiner Blick auf den eigenen Wohnbereich, nicht um den Kollegen heimlich Märchenfiguren zuzuordnen – obwohl ich muss zugeben dass dieser Gedanke einen gewissen Unterhaltungswert besitzt, sondern um sich selbst zu fragen wo bin ich gerade?
00:07:55: Fliege ich vor der Verantwortung davon?
00:07:59: Oder kümmere ich mich wieder um alles und jeden oder schrubbe ich innerlich längst den hundertsten Küchenboden und warte darauf, dass endlich jemand mit meinem verdammten Schuh auftaucht.
00:08:15: Und wenn diese drei das auf einem Wohnbereich tatsächlich schaffen dann haben wir am Ende womöglich doch ein kleines Märchen Nur eines mit Dienstplan, Dokumentationen, Pflegewagen und einer Kaffeemaschine, deren Bedeutung für die Aufrechterhaltung des gesamten Systems bis heute sträflich unterschätzt wird.
00:08:38: Wenn euch diese kleine Ausflug zwischen Märchenwelt- und Pflegealltag gefallen oder sogar zum Nachdenken gebracht hat dann lasst gerne ein Like da!
00:08:49: Teilt die Folge oder schreibt mir einen Kommentar.
00:08:53: Und mich würde diesmal wirklich interessieren.
00:08:57: Welche Figur begegnet euch in eurem Arbeitsalltag besonders häufig und noch spannender?
00:09:05: In welche erkennt ihr Euch selbst manchmal wieder?
00:09:09: Bis zum nächsten Mal bei Sichtweise!
00:09:11: Passt gut auf Euch auf, behaltet Euren Humor und denkt daran.
00:09:16: ein bisschen Fähnstaub ist völlig in Ordnung.
00:09:19: Er sollte nur nicht dazu genutzt werden Probleme unsichtbar zu machen.
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