Gesellschaft und Smartphone: menschlich getrennt – Sicht Weise von und mit Anette Pelzer
Shownotes
Ein sonniger Tag, ein gut besuchtes Café und Menschen, die gemeinsam an einem Tisch sitzen. Eigentlich ein Ort der Begegnung. Doch statt miteinander zu sprechen, schauen fast alle auf ihr Smartphone.
In dieser Folge von „Sicht Weise“ beschäftigt sich Anette Pelzer mit einer Entwicklung, die längst zu unserem Alltag gehört: Wir sind technisch ständig verbunden, verlieren aber zunehmend den direkten Kontakt zu den Menschen, die unmittelbar vor uns sitzen.
Smartphones erleichtern vieles. Sie verbinden uns über große Entfernungen, liefern Informationen innerhalb weniger Sekunden und können in Notfällen sogar Leben retten. Problematisch wird es dort, wo der Bildschirm unsere Aufmerksamkeit vollständig beansprucht und echte Begegnungen zu Nebensache werden.
Was geschieht mit unserem Miteinander, wenn Gespräche durch Nachrichten ersetzt, Gefühle mit Emojis verschickt und selbst Konflikte per Messenger ausgetragen werden? Was verlieren wir, wenn Blicke, Mimik, Gestik und der Klang einer Stimme immer seltener wahrgenommen werden?
Anette spricht darüber, warum Aufmerksamkeit eine wertvolle Form der Wertschätzung ist und weshalb kein Emoji ein ehrliches Lächeln, eine Berührung oder eine echte Umarmung ersetzen kann. Gerade in schwierigen Lebenssituationen zeigt sich, was Menschen wirklich brauchen: jemanden, der zuhört, hinsieht und spürbar da ist.
Diese Folge ist keine Abrechnung mit dem Smartphone. Sie ist eine Einladung, das Verhältnis zwischen Technik und Menschlichkeit neu zu betrachten – und den Menschen neben uns wieder ein wenig mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Transkript anzeigen
00:00:00: Gesellschaft und Smartphone.
00:00:04: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Sichtweise von und mit Annette Pelzer!
00:00:08: Schön, dass du heute wieder dabei bist.
00:00:12: Ich möchte dich heute auf eine kleine Reise mitnehmen.
00:00:15: Stell dir also vor, du sitzt an einem wunderschönen Sommertag in einem Café.
00:00:21: Der Himmel ist strahlend blau die Sonne scheint Menschen schländern über die Straße Irgendwo lacht ein Kind Gläser klieren Der Duft von frischem Kaffee liegt in der Luft.
00:00:35: Eigentlich ein Bild, das nach Leben aussieht!
00:00:38: Also lehnst du dich zurück?
00:00:40: Nimmst einen Schluck Kaffe und schaust dich einfach mal um.
00:00:46: Und dann fällt dir etwas auf... Fast alle Menschen haben den Kopf nach unten geneigt.
00:00:54: Nein sie bieten nicht.
00:00:56: Sie schauen auf ihr Handy.
00:00:58: Paare sitzen sich gegenüber und sprechen nicht miteinander.
00:01:02: Freunde treffen sich, aber jeder wischt über seinen eigenen Bildschirm.
00:01:08: Familien sitzen am Tisch doch jeder lebt für sich in seiner digitalen Welt.
00:01:15: Da frage ich mich was ist eigentlich mit uns passiert?
00:01:21: Ich habe nichts gegen Smartphones!
00:01:24: Ich nutze selbst eins.
00:01:25: Sie erleichtern vieles.
00:01:26: sie verbinden Menschen über große Entfernungen sie liefern Wissen innerhalb von Sekunden und können in Notfälle sogar Leben retten.
00:01:34: Das Problem ist also nicht das Handy.
00:01:37: Das Problem beginnt dort, wo das Handy dem Menschen ersetzt.
00:01:42: Früher gingen wir in ein Café um Menschen zu treffen.
00:01:46: Heute treffen sich Menschen, um gemeinsam auf ihre Handys zu schauen.
00:01:52: Irgendwie hat sich da etwas verschoben.
00:01:55: Manchmal denke ich, wir müssten in Cafés einen Bereich einrichten, auf dem steht «Handyfreie Zone».
00:02:03: Nicht als Verbot sondern als Erinnerung daran Warum wir eigentlich gekommen sind?
00:02:08: Wahrscheinlich würden sich einige erschrocken ansehen und feststellen, dass ihnen tatsächlich ein Mensch gegenüber sitzt.
00:02:16: Der arme Kerl wartet schon seit zwanzig Minuten darauf, daß sein Gegenüber bemerkt, das er auch noch da ist.
00:02:23: Kommunikation ist so viel mehr als Worte!
00:02:27: Sie beginnt mit einem Blick, mit einem Lächeln, mit einer kleinen Pause – wenn im Stirn runzeln, wenn etwas nicht verstanden wird… Mit einem herzhaften Lachen, das ansteckend ist.
00:02:39: All das kann keine Nachricht ersetzen!
00:02:43: Kein Emoji – der Welt kann eine echte Umarmung nachbilden.
00:02:48: Kein Smiley kann die Wärme in den Augen eines Menschen wiedergeben.
00:02:52: und doch tauschen wir genau das immer häufiger gegen ein Bildschirm ein.
00:02:58: Was passiert dadurch eigentlich mit uns?
00:03:01: Wir verlernen nach und nach unser Gegenüber wahr zu
00:03:04: nehmen.".
00:03:06: Wir hören zwar Worte, aber wir sehen dem Menschen dahinter immer seltener.
00:03:11: Dabei besteht ein großer Teil unserer Kommunikation gar nicht aus dem was gesagt wird.
00:03:17: Unsere Körpersprache unsere Stimme und Mimik und unsere Gestik erzählen oft viel mehr als jedes einzelne Wort.
00:03:26: Ich beobachte immer häufiger das Menschen schreiben anstatt miteinander zu reden.
00:03:31: Es wird per Messenger diskutiert obwohl man im selben Haus ist.
00:03:35: Gefühle werden mit Emojis verschickt.
00:03:38: Entschuldigungen werden getippt statt ausgesprochen.
00:03:41: Konflikte entstehen über Nachrichten, weil der eine etwas völlig anderes liest als der andere es gemeint hat.
00:03:50: Ein kurzer Satz ohne Smiley wirkt plötzlich kalt!
00:03:54: Ein Punkt am Ende eines Satzes wird zur Katastrophe erklärt.
00:03:59: Früher war ein Punkt einfach nur ein Satzende.
00:04:02: Heute scheint es manchmal fast eine Kriegserklärung zu sein.
00:04:06: Verrückte Zeiten!
00:04:11: Dabei ist der Mensch von Natur aus für Begegnungen gemacht.
00:04:15: Unser Gehirn entwickelt sich durch Gespräche, durch Berührung, durch gemeinsames Lachen, durch Diskussion und auch dadurch dass wir unterschiedliche Meinungen aushalten.
00:04:27: Genau darin wachsen wir.
00:04:29: Wenn aber echte Begegner immer seltener werden verändert sich auch unser Miteinander.
00:04:34: Wir leben in einer Zeit, in der wir hunderte Kontakte auf dem Handy gespeichert haben und uns trotzdem einsam fühlen.
00:04:43: Wir können innerhalb weniger Sekunden mit Menschen auf der anderen Seite der Erde schreiben – schaffen es aber kaum noch unseren Geben über, in die Augen zu schauen!
00:04:53: Das muss man sich einmal bewusst machen.
00:04:56: Technisch waren wir noch nie so eng miteinander verbunden.
00:05:01: Menschlich erleben viele Menschen genau das
00:05:03: Gegenteil.".
00:05:05: Und dann wundern wir uns über Missverständnisse?
00:05:08: Über zunehmende Einsamkeit oder darüber, dass viele Menschen sich nicht mehr gesehen fühlen.
00:05:14: wie denn auch.
00:05:15: Wer ständig auf ein Bildschirm schaut kann den Menschen davor kaum wahrnehmen.
00:05:21: Aufmerksamkeit ist wie eine Taschenlampe Sie leuchtet immer nur dort hin wohin wir sie richten.
00:05:28: Wenn sie dauerhaft auf einen Bildschirmen gerichtet ist bleibt für dem Mensch daneben kaum noch Licht übrig.
00:05:36: Ich erlebe in meinen beruflichen Alltag etwas völlig anderes.
00:05:40: Wenn Menschen schwer krank werden, wenn sie Angst haben oder wenn Sie merken dass ihre Kräfte nachlassen fragt niemanden nach seinem Smartphone.
00:05:49: Dann wünschen sich Menschen jemandem der ihnen zuhört Jemand der Ihre Hand hält, jemand der sie ansieht und Ihnen das Gefühl gibt Du bist nicht allein.
00:06:01: Genau das brauchen wir Menschen Keine perfekte Nachricht sondern echte Nähe.
00:06:09: Natürlich verändert sich unsere Welt!
00:06:11: Das lässt sich auch nicht mehr aufhalten und das soll es gar nicht.
00:06:15: Vortritt ist etwas Gutes, aber Freud-Schritt darf nicht dazu führen dass wir vergessen was uns als Menschen ausmacht.
00:06:25: Technik sollte uns dienen und nicht bestimmen.
00:06:29: Wenn wir anfangen unser Leben nach Benachrichtigungen auszurichten anstatt nach Begegnung dann stimmt das Verhältnis nicht mehr.
00:06:37: Vielleicht sollten wir uns wieder trauen, öfter einmal das Handy bewusst wegzulegen.
00:06:42: Nicht aus Zwang sondern weil der Mensch vor uns wichtiger ist als die Nachricht auf dem Display.
00:06:49: Vielleicht entdecken wir dann wieder wie schön ein echtes Gespräch sein kann?
00:06:53: Vielleicht hören wir wieder dieses befreiendene Lachen dass nicht aus einem Lautsprecher kommt!
00:06:59: Vielleicht bemerken wir den blauen Himmel, die Sonne im Gesicht oder den Duft des Cafés bevor er kalt geworden weil wir erst noch drei Nachrichten beantworten mussten?
00:07:12: Es gibt einen Satz, der mich immer wieder beschäftigt.
00:07:16: Aufmerksamkeit ist die wertvollste Form der Wertschätzung.
00:07:21: Wenn ich einem Menschen meine Zeitschenke und ihm wirklich zuhöre dann sage ich ohne Worte du bist mir wichtig.
00:07:29: Genau das scheint in unserer Gesellschaft immer mehr verloren zu gehen.
00:07:35: Wir sind überall erreichbar aber oft kaum noch wirklich anwesend.
00:07:40: Vielleicht liegt genau darin eine Aufgabe für jeden Einzelnen von uns.
00:07:45: Nicht darauf zu warten, dass die Gesellschaft sich verändert sondern selbst den ersten Schritt zu machen das Handy einmal umzudrehen der Blick zu heben dem Menschen anzulächeln der vor uns setzt ein echtes Gespräch zu beginnen.
00:08:00: Zuhören ohne nebenbei auf das Display zu schielen.
00:08:05: Ende unseres Lebens werden wir uns nicht daran erinnern, wie viele Nachrichten wir verschickt haben oder wie viele Likes wir gesammelt haben.
00:08:13: Wir werden uns an Menschen erinnernden – an gemeinsame Gespräche, an ehrliches Lachen und an Momente in denen wir uns verbunden gefühlt
00:08:23: haben.".
00:08:25: Ist das der größte Luxus unserer Zeit geworden?
00:08:29: Eine Menschen seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken!
00:08:33: Das kostet kein Geld, braucht keine App und keinen Update.
00:08:37: Es braucht nur den Mut das Handy für einen Moment aus der Hand zu legen und dem Menschen vor sich wieder wahrzunehmen.
00:08:45: Ich danke dir dass du heute wieder zugehört hast!
00:08:49: Wenn dir diese Folge gefallen hat oder sie dich zum Nachdenken angerichtet hat freue ich mich über ein Like, ein Kommentar oder wenn Du diese Folge mit Menschenteils dehnen dieses Thema ebenfalls am Herzen nicht.
00:09:03: Vielleicht verabredest du dich ja mit jemandem auf einen Kaffee und ihr lasst beide das Handy einfach mal in der Tasche.
00:09:12: Ich wünsche dir bis zur nächsten Folge alles Gute, pass gut auf Dich auf!
00:09:16: Und vor allem auf die Menschen, die Dir direkt neben Dir sitzen.
00:09:21: Bis bald bei Sichtweise von & Mit Annette Pelzer.
Neuer Kommentar