Über Hannah Arendt, persönliche Verantwortung und den Mut, nicht einfach wegzusehen - Sicht Weise mit Anette Pelzer

Shownotes

„Ich habe doch nur meine Arbeit gemacht.“

„Das wurde von oben so entschieden.“

„Ich kann daran sowieso nichts ändern.“

Solche Sätze wirken zunächst harmlos. Doch sie können zum Ausdruck einer Haltung werden, bei der Menschen ihr eigenes Denken und ihre persönliche Verantwortung immer weiter abgeben.

In dieser Folge von „Sicht Weise“ beschäftigt sich Anette Pelzer mit einem der bekanntesten und zugleich häufig missverstandenen Gedanken der Philosophin Hannah Arendt: der Banalität des Bösen.

Arendt beobachtete Anfang der 1960er-Jahre den Prozess gegen Adolf Eichmann, der an der Organisation der Deportation und Ermordung von Millionen jüdischer Menschen beteiligt war. Sie beschrieb keinen harmlosen Mann und verharmloste auch nicht seine Taten. Ihr Blick richtete sich vielmehr auf die erschreckende Möglichkeit, dass ungeheures Unrecht nicht nur durch fanatische Überzeugung entstehen kann, sondern auch durch Gedankenlosigkeit, Gehorsam und die Weigerung, persönliche Verantwortung zu übernehmen.

Dieser Gedanke betrifft nicht nur die Geschichte. Er berührt unseren heutigen Alltag.

Was passiert, wenn niemand mehr nach dem Warum fragt? Wenn Kolleginnen und Kollegen schlecht behandelt werden und alle schweigen? Wenn Informationen ungeprüft weitergegeben werden? Wenn Lautstärke wichtiger wird als Wahrheit und Menschen nur noch danach beurteilt werden, ob sie zur eigenen Meinung passen?

Anette spricht darüber, warum Verantwortung im Kleinen beginnt. Beim Hinschauen. Beim Nachfragen. Beim respektvollen Widerspruch. Und manchmal auch bei einer kaputten Kaffeemaschine, vor der zehn Menschen über Zuständigkeiten diskutieren, während niemand auf die Idee kommt, einfach den Stecker zu ziehen.

Diese Folge ist keine Geschichtsstunde. Sie ist eine Einladung, das eigene Denken nicht an andere abzugeben.

Denn Freiheit bedeutet nicht nur, Entscheidungen treffen zu dürfen. Freiheit bedeutet auch, die Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu tragen.

Eine Folge über:

• Hannah Arendts Begriff der Banalität des Bösen • Gedankenlosigkeit und blinden Gehorsam • persönliche Verantwortung im Alltag • Schweigen, Wegsehen und Mitläufertum • Manipulation, Lautstärke und ungeprüfte Informationen • Verantwortung in Pflege, Unternehmen und Gesellschaft • den Mut, respektvoll zu widersprechen • einen wachen Verstand und ein funktionierendes Gewissen

Die entscheidende Frage lautet:

Wann haben Sie zuletzt innegehalten und geprüft, ob eine Entscheidung wirklich Ihren eigenen Werten entspricht?

Bleiben Sie neugierig. Bleiben Sie wach. Und lassen Sie sich das Denken niemals abnehmen.

Transkript anzeigen

00:00:00: Banalität des Bösen.

00:00:03: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Sichtweise, von und mit Annette Pelzer!

00:00:10: Schön dass ihr heute wieder dabei seid.

00:00:13: es gibt Themen die verlieren auch nach Jahrzehnten nichts von ihrer Bedeutung.

00:00:18: ganz im Gegenteil manche werden mit der Zeit sogar wichtiger.

00:00:23: genau über so ein Thema möchte ich heute mit euch sprechen.

00:00:28: Es geht um die Bananilität des Bösen, ein Begriff den die Philosophin Hannah Arendt geprägt hatte.

00:00:37: Auch wenn das zunächst schwer klingt beschreibt er etwas dass uns jeden Tag begegnen kann im Beruf in der Familie In einem Verein in einem Unternehmen sogar im Gesundheitswesen in den Medien und vor allen Dingen in der Politik oder ganz einfach im Alltag.

00:01:03: Hannah Arendt beobachte Anfang den Prozess gegen Adolf Eichmann, einen Organisator der Deportation von Millionen jüdischer Menschen während des Nationalsozialismus.

00:01:23: Viele erwarteten dort einem Monster gegenüberzustehen.

00:01:28: Stattdessen sah sie einen Mann, der sich selbst als gewöhnlichen Beamten darstellte.

00:01:35: Er erklärte immer wieder er habe lediglich Befehle ausgeführt und seine Aufgabe erledigt.

00:01:45: Daraus entwickelte Hannah Arendt ihren Gedanken von der Banalität des Bösen.

00:01:52: Sie wollte damit nicht sagen dass die begangenen Verbrechen gewöhnlich oder harmlos gewesen sein.

00:01:58: im Gegenteil Sie schrieb, dass großes Unrecht auch dadurch entstehen kann das Menschen ihr eigenes Denken und ihre persönliche Verantwortung aufgeben.

00:02:12: Dass sie Regeln folgen ohne deren Folgen zu hinterfragen und sich hinter ihrer Rolle oder ihre Aufgabe verstecken.

00:02:22: Genau deshalb ist dieses Thema heute aktueller denn je Denn wir erleben immer wieder Situationen, in denen Menschen aufhören Fragen zu stellen.

00:02:35: Da wird etwas beschlossen und keiner fragt mehr nach dem Warum?

00:02:40: Da wird jemand ausgegrenzt und alle schauen weg!

00:02:45: Da wird ein Kollege schlecht behandelt und keiner möchte sich einmischen – weil man selbst keinen Ärger bekommen möchte.

00:02:53: Da werden Informationen ungeprüft übernommen, weil sie oft genug wiederholt

00:02:59: werden.".

00:03:00: Und plötzlich entsteht eine Dynamik, in der kaum noch jemand Verantwortung übernimmt.

00:03:09: Das beginnt selten mit etwas Großen.

00:03:12: Es beginnt oft mit kleinen Entscheidungen Mit Schweigen Mit Wegschauen Mit dem Satz Dass wir schon seine Richtigkeit haben Oder Ich mache nur mein Job.

00:03:29: Genau an dieser Stelle sollten wir uns die bei uns die Alarmglocken angehen, denn Verantwortung kann man nicht einfach an andere abgeben.

00:03:40: Wer sein Denken an andere delegiert überlässt ihnen auch ein Stück seiner eigenen Werte.

00:03:49: und genau das macht eine Gesellschaft anfällig – nicht weil plötzlich alle böse Menschen wären sondern weil immer weniger Menschen bereit sind selbst hinzuschauen und Verantwortung zu

00:04:01: übernehmen.".

00:04:04: Das betrifft uns alle.

00:04:06: Als Pflegekraft, als Arbeitgeber, als Arbeitsnehmer, als Eltern, als Nachbarn, als Freund oder als Bürger.

00:04:17: Ich erlebe immer wieder Situationen in denen Menschen sagen das hat die Leitung so entschieden oder das kommt von oben Oder ich kann da sowieso nichts machen.

00:04:31: Natürlich gibt es Entscheidungen die wir nicht ändern können aber wir können immer entscheiden wie wir selbst damit umgehen.

00:04:38: Wir können Fragen stellen, wir können Missstände ansprechen!

00:04:42: Wir können respektvoll widersprechen – wir können Haltung zeigen.

00:04:48: und jetzt kommt ein kleiner Rohrpott-Moment.

00:04:52: Stellt euch zehn Menschen vor die vor einer Kaffeemaschine stehen.

00:04:58: alle sehen dass sie kaputt ist.

00:05:00: jeder diskutiert darüber wer dafür verantwortlich ist.

00:05:05: Einer machen Foto Der nächste schreibt ein E-Mail, wieder einer eröffnet eine Arbeitsgruppe.

00:05:12: Aber den Stecker zieht keiner!

00:05:15: Das klingt erstmal lustig.

00:05:18: Passiert aber erstaunlich oft.

00:05:20: Manchmal beschäftigen wir uns lieber mit Zuständigkeiten als mit Lösungen.

00:05:26: Noch ernster wird es wenn Menschen beginnen andere gegeneinander auszuspielen Wenn Wahrheit durch Lautstärke ersetzt wird.

00:05:36: Wenn Zweifel nicht mehr erlaubt sind Wenn Menschen nicht nach ihren Argumenten beurteilt werden, sondern danach ob sie zur eigenen Meinung passen.

00:05:48: Genau dann verliern wir etwas sehr wertvolles.

00:05:52: Nämlich die Fähigkeit gemeinsam nach Wahrheit zu suchen.

00:05:58: Anna Arendt erinnert uns daran dass Denken keine Nebensache ist.

00:06:04: Denken schützt uns!

00:06:06: Es hilft uns manü... Polation zu erkennen, es hilft uns Verantwortung zu übernehmen und das hilft uns unsere Werte nicht einfach gegen Bequemlichkeit einzutauschen.

00:06:20: Das bedeutet nicht dass wir ständig misstrauisch sein müssen!

00:06:23: Es bedeutet viel mehr dass wir wach bleiben sollten, dass wir bereit sind Informationen zu prüfen, dass Wir unterschiedliche Sichtweisen anhören bevor wir urteilen Auch einmal zu sagen, ich sehe das anders.

00:06:43: Nicht um zu streiten, sondern um Verantwortung zu übernehmen!

00:06:48: Wenn wir aus Hannah Arendt's Gedanken heute etwas lernen könnten, dann dies.

00:06:54: Das größte Gegengewicht zum Bösen ist nicht Angst – es ist ein wacher Verstand, ein funktionierendes Gewissen und der Mut Mensch zu

00:07:05: bleiben.".

00:07:07: Verantwortung beginnt nicht erst bei großen Entscheidungen.

00:07:12: Sie beginnt im Kleinen, bei jedem Gespräch in jeder Handlung, in jeder Entscheidung ob wir wegsehen oder vielleicht sogar hinschauen.

00:07:26: Deshalb möchte ich diese Folge mit einer einfachen Frage beenden Wann hast du das letzte mal inne gehalten und dich gefragt ob eine Entscheidung wirklich deinen eigenen Werten entspricht.

00:07:41: Oder hast du sie getroffen, weil alle anderen es auch so gemacht haben?

00:07:48: Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft von Hannah Arendt!

00:07:54: Freiheit bedeutet nicht nur entscheiden zu dürfen.

00:07:58: Freiheit bedeutet auch selbst zu denken und die Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen Denn dort wo Menschen aufhören zu denken, entsteht Raum für Unrecht.

00:08:11: Dort wo Menschen anfangen Verantwortung zu übernehmen, entstehen endlich wieder

00:08:16: Menschlichkeit.".

00:08:19: Ich danke euch, dass ihr heute wieder dabei wart!

00:08:22: Wenn Euch diese Folge gefallen hat oder Euch zum Nachdenken angerichtet, freue ich mich wenn Ihr einen Like da lasst einen Kommentar schreibt oder diese Folge mit Menschen teilt, die sich ebenfalls Gedanken über unsere Gesellschaft machen.

00:08:38: Denn gute Gespräche beginnen oft mit einer einzigen Frage!

00:08:44: Bis zur nächsten Folge von Sichtweise von und mit Annette Pelzer.

00:08:48: Passt gut auf euch auf, bleibt neugierig und vor allem lasst euch das Denken niemals abnehmen.

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